LUDWIGSHAFEN. Seine fünf Fachbücher für die Ausbildung als Chemielaborant muss Jan Gradwohl nicht mehr in die Hand nehmen – er hat alle in seinem Tablet-PC gespeichert. „Am Anfang war es schon eine Umstellung, damit im Unterricht zu arbeiten, aber mittlerweile kommen wir gut zurecht“, berichtet der 29-Jährige. „Nach ein paar Wochen hat es gut geklappt“, bestätigt Sarah Knickel, die neben ihm in der Klasse LF 10 der Berufsbildenden Schule Technik 2 sitzt. Auch Lehrerin Eftichia Hansch-Alexopoulos ist zufrieden: „Anders als früher bei den Büchern hat noch keiner sein Tablet-PC vergessen. Wir können deshalb im Unterricht gleich loslegen.“ Seit einem Jahr läuft das Landesprojekt „Digitalisierung in der dualen Ausbildung“ in vier Ludwigshafener Berufsschulen, das die BASF finanziell unterstützt.

Filme und Quizduell

Das Bildungsministerium und der Chemiekonzern hatten dazu 500 Schüler sowie 240 Lehrkräfte und Ausbilder mit dem digitalen Arbeitsgerät ausgestattet und miteinander vernetzt. Ob Lern-Apps, E-Books, Filme oder Prüfungsfragen in Form eines Quizduells – all dies soll den Auszubildenden helfen, sich leichter Fachwissen anzueignen.

„Das Projekt mit den einheitlichen Lernplattformen ist sehr erfolgreich gelaufen“, zieht die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig bei einem zweistündigen Besuch am Donnerstag im Kerschensteiner-Bildungszentrum eine positive Zwischenbilanz. Das bundesweit einzigartige Vorhaben habe eine Leuchtturm-Funktion. Denn von den Ergebnissen des dreijährigen Programms sollen alle Schulen im Land profitieren.

„Die Digitalisierung im Beruf nimmt zu, deshalb wollen wir die Auszubildenden optimal vorbereiten“, ergänzt BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz und zeigt sich von dem „fantastischen Projekt und der hervorragenden Kooperation“ begeistert. Bei der Steuerung von Chemieanlagen müssten immer mehr Daten berücksichtigt werden. Deshalb sei der digitale Einsatz so bedeutsam. Aber erst seit drei Jahren gebe es explosionsgeschützte Geräte“, merkt Heinz einen für das Unternehmen wichtigen Aspekt an.

Ihr Tablet-PC nutzen die Jugendlichen nicht nur zum Lernen. Sie können damit auch ihre Hausaufgaben im Unterricht präsentieren. Jan Gradwohl stellt etwa die Ergebnisse eines Destillationsverfahrens für ein Benzol-/Toluol-Gemisch vor. Die Schaubilder mit Diagrammen werden per Beamer an die Wand projiziert und können von den Mitschülern verfolgt werden. Ähnliches erfolgt in der Klasse für angehende Elektroniker für Automatisierungstechnik, die Schaltpläne erörtern.

Mit den digitalen Geräten, die in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik eingesetzt werden, können die Schüler überall lernen – „auch im Bus oder im Wartezimmer beim Arzt“, nennt der Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) Technik 1, Mirko Taus, einen weiteren Vorteil. „Die Kommunikation der Jugendlichen wird dadurch erleichtert. Damit wird auch die Schwarmintelligenz viel besser genutzt“, ergänzt Hans van Hauth, Leiter der BBS Naturwissenschaft.

Angesichts der guten Zwischenbilanz plädiert die Ministerin dafür, das Projekt auszuweiten und mehr Schüler einzubeziehen. Van Hauth stimmt diesem Ziel grundsätzlich zu, möchte aber erst noch mehr Erfahrungen sammeln. „Denn nicht alle Partnerbetriebe sind schon so weit wie die BASF.“ © Mannheimer Morgen, Freitag, 08.11.2019

Download: Mannheimer Morgen, 08.11.2019: Lernen am Tablet-PC statt mit Büchern

Download: Rheinpfalz, 08.11.2019: Quantensprünge im Klassenzimmer

Link zum Film: DidA: Basf und Bildungsministerium ziehen Zwischenbilanz

Weitere Informationen:

Live-Ticker, 07.11.2019: Ludwigshafen – Bildungsministerium und BASF stärken Digitalisierung in der dualen Ausbildung

Live-Ticker, 30.10.2019: Ministerin und BASF-Manager besuchen gemeinsam Ludwigshafener Schulzentrum